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Bericht Erl Geschichte und Handwerk Langenzersdorf 2009

Berichte > Lagerleben

Erlebbare Geschichte und Handwerk Langenzersdorf


Pünktlich mit dem Eintreffen des Frühlings begann für uns, die nordischen Söldner in fränkischem Dienst, die diesjährige Markt- und Lagersaison. Zwei Wochen Vorbereitung warenvorhergegangen, unser Südi wartete startklar auf das Aufbruchsignal, die Ausrüstung, unter anderem auch die neu gebauten Kisten, lagen sicher verstaut drinnen; es konnte also losgehen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, Christian musste unserem unwilligen Südi am Donnerstag in Lochau Starthilfe geben, machten sich Lambert und Ander Richtung Osten auf, Ziel Langenzersdorf. Während die beiden einen kleinen Zwischenstopp bei den teutschen Gwandweibern machten und dabei ihren Charme spielen ließen, kamen sie um ca. 1.00 Uhr an ihrem Bestimmungsort an.

Müde und kaputt schufen sie sich im Südi ein Matratzenlager und verfielen daraufhin dem seligen Schlaf der Unschuldigen. Christian und Verena indes, begaben sich erst am Freitag auf die lange Reise. Motiviert und voller Vorfreude, trafen sie um 14.00 Uhr ein und genossen zuerst einmal das schöne Ambiente, das sich ihnen bot. Der Handwerkermarkt zu Langenzersdorf lag nämlich direkt an einem Baggersee. Nach der Begrüßung begannen wir schließlich mit dem Aufbau des Lagers, welcher vier Stunden dauerte. Natürlich mit dem ein oder anderen Päuschen. Als alles seinen Platz gefunden hatte, wurden wir bald Zeugen kämpferischer Auseinandersetzungen, die sich unsere Lagernachbarn, der Gungnirs Snata, leisteten. Voll gerüstet, kreuzten sie spielerisch ihre Klingen, vom Jubel manch holder Weiblichkeit begleitet. So ging der Freitag allmählich zu ende, man hatte die anderen Lagernden besucht und nach Speis und Trank sich schließlich zu Bette begeben, um den darauf folgenden Tag mit der nötigen Energie zu bestreiten.

Das Licht zeugte vom Beginn des neuen Tages, Glieder wurden gestreckt, lautes Gähnen drang aus den verschiedenen Zelten. Nachdem ein Feuerchen entfacht worden war, mussten Lambert und Verena zu ihrem Entsetzen feststellen, dass der Ausschank des göttlichen, kräftespendenden Getränkes namens Kaffee noch 1,5 Stunden auf sich warten lassen würde. Ein schlimmes Warten setzte ein, zumal in der Nacht in unmittelbarer Nähe Schienenarbeiten durchgeführt worden waren, die uns lange den Schlaf geraubt hatten. Um 9.00 Uhr wurden die Pforten des Handwerkermarktes geöffnet, die ersten Besucher strömten herbei. Uns vermochte dies nicht aus der Ruhe zu bringen. Nach dem morgentlichen Kaffee und dem Frühstück, erkundeten wir bald schon selbst den Markt. Pfeilemacher, Zinngießer, Schmied, Töpfer, Glaskugelbläser, Kräuterhexe und viele andere konnten bestaunt werden, um daraufhin im Kaffeezelt Sultanine zu verweilen, bei Mokka und Tee. Im Laufe des Vormittags wurde das letzte Mitglied,

Flo, abgeholt, Christine hatte leider nicht frei bekommen und Claudio wahrscheinlich keine Lust gehabt. So waren wir nun vollzählig und während Flo schon bald einer seiner Lieblingsbeschäftigungen nachging, dem Schlafen, machte sich Ander bald daran, das Mittags, bzw. Nachtmahl vorzubereiten. Biersuppe und Fleischspieße ohne Spieße. Verena saß indes am Webstuhl und ließ sich bestaunen, Lambert und Christian begaben sich schon bald auf Wanderschaft, um der Kunst der Burgbelagerung ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Die Trébuchet waren wohl ein Blickfang für jung und alt, vor allem als sie in der Dunkelheit Feuergeschosse schleuderten. Als das Licht des Tages wieder schwand, wurde das Essen aufgetragen. Ein Schock für unsere zarten Gaumen, die Biersuppe war so gar nicht nach unserem Geschmack. Wobei erwähnt werden muss, dass unseren Koch, Ander, hierbei nicht die kleinste Schuld trifft, das Rezept war und ist einfach eigenwillig. So ging auch der Samstag irgendwann zu ende, glücklicherweise ohne Schienenarbeiten.

Der Sonntag begann auch wie die vorigen Tage mit strahlend schönem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen. Nach dem Frühstück wurde schon bald wieder das Mittagessen vorbereitet, denn Flo würde am Nachmittag wieder abreisen, während die anderen erst am Montag die Zelte abbrechen würden. Als Ander kochte, Verena webte und Flo schlief, erschufen Lambert und Christian eine neue Sportart, an der unsere Lagernachbarn auch schnell Gefallen fanden: Steckstuhlmesserwerfen. Dabei hätte dieser verpönte Stuhl eigentlich nur den Zweck als Feuermaterial zu erfüllen gehabt. Naja, zerkleinern hätten wir ihn ohnehin müssen. Die Zerstörung war bald vollbracht, doch dem Gungnirs Snata war das zu wenig. Die Krieger zogen kurzerhand Richtung Kinderspielplatz, um dort ihre eigene Burgbelagerung zu führen. Irgendwann bekamen wir erwarteten Besuch von Christians Sippe. Was lag da näher, als sie mit unserem selbstgebrauten Göttertrunk zu verköstigen? Nachdem sie weitergezogen waren, wurde Flo zum Bahnhof gebracht, um die Rückreise anzutreten.

Unaufhaltsam kam wieder der Abend, doch diesmal verbrachten wir ihn so, wie wir es am besten können: Mit Met und anderem Alkoholischen. So hat nun einmal das Lager die Wirkung, aus gewöhnlichen Wochenend-Einpaarstunden-Alkoholikern, Ganztagsalkoholiker zu machen, wo es nicht ungewöhnlich ist, einem Bierwagen nachzurennen. Nun, wohl steckt der Cocktailentzug dahinter, aber das ist eine andere Geschichte. Der Abbau am Montag verlief problemlos, wir ließen uns viel Zeit, da uns nichts zur Eile trieb. Nach einem gemeinsamen Heurigenbesuch in Klein-Engersdorf trennten sich unsere Wege, Lambert und Ander fuhren Richtung Westen, während Christian und Verena weiter Richtung Süden fuhren.

Fazit:
Tolles Ambiente, gelungene Organisation. So sei an dieser Stelle den Veranstaltern gedankt, wir wurden bestens versorgt, was keine Selbstverständlichkeit ist, wie wir wissen. Toiletten und Waschmöglichkeiten waren vorhanden, die auf dem Markt angebotenen Gaumenfreuden ein wahrer Genuss. Es war ein Saisonbeginn, wie wir ihn uns nicht besser hätten wünschen können, super Wetter, nette Gruppen, tolle Handwerker, kurzum, wir freuen uns auf nächstes Jahr.

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