Mittelalter,frühmittelalter,ritter,lagerleben,ravnurfolk,
Berichte > Lagerleben
Herbstfest Adventon
"Die Arbeit kommt vor dem Vergnügen!" So erging es uns, als wir uns am Sonntag, 4 Tage vor der Abreise nach Adventon, vor der riesigen Aufgabe sahen, unseren Südi startklar zu machen. Da unser Verein erst kürzlich um vier Mitglieder reicher geworden war, hatte das natürlich auch Auswirkungen auf die Ausrüstung, die es mitzunehmen galt. Jegliches Zeitgefühl war dahin, als wir endlich fertig waren. Jetzt konnte die Vorfreude auf das Herbstfest durch nichts mehr getrübt werden, so dachten wir jedenfalls. Doch da kam die "freudige" Mitteilung, dass ein paar Füße unserer Betten verschwunden waren. Was das bedeutete? Unsere Männer inkl. tatkräftiger Unterstützung von Jassi, mussten den ganzen Sonnstag Füße schleifen und feilen. Eine schöne Aufgabe, was die Hoffnung wecken ließ, dass es nicht mehr schlimmer werden konnte. Wenigstens hatten wir dieses Mal Glück.
Donnerstagfrüh, für die erste Gruppe hieß das 10.00 Uhr, konnte es Richtung Heilbronn losgehen, erster Treffpunkt Raststätte Jagsttal, wo Andi, Lambert und Claudio auf Verena und Christian trafen. Eine kleine Stärkung wurde eingenommen, ehe das letzte Stück nach Adventon zurückgelegt wurde. Es war 14.00 Uhr, das Wetter nicht sehr vertrauenserweckend. Dunkle Wolken waren am Himmel, der Regen nur noch eine Frage der Zeit. Nachdem wir uns angemeldet hatten, begannen wir damit, den Südi zu entladen. Glücklicherweise war uns ein günstiger Lagerplatz zugeteilt worden: Direkt neben der Tribüne. So konnten wir sämtliche Lagergegenstände vorerst dort platzieren. Es war ein göttlicher Anblick - wie auf einem Flohmarkt! Die ersten Kaffeejunkies von uns gönnten sich den nicht sehr zeitgemäßen Luxus dieses warmen Getränkes, ehe man mit dem Lageraufbau begann. Der starke Wind, der so ganz typisch für Adventon ist, machte es zu einer wahren Herausforderung,
die Stangen für das Sonnensegel aufzustellen und festzuhalten. Doch mit vereinten Kräften ließ sich auch das ziemlich schnell bewältigen. Die Nacht nahte, das Feuer wurde entzündet. Um die beißende Kälte, die uns diese Tage heimsuchte, fernzuhalten, drängten wir uns dicht an die wärmespendende Feuerstelle. Verena hatte derweil eine andere Methode: Sie hatte sich das Katerchen Franzl zum Freund und Wärmer gemacht. So wurde unser Lager in den nächsten Tagen eine wahre Katzenpension, was uns am nächsten Morgen der fehlende Speck zeigen sollte. Wie dem auch war, nach beendeter Arbeit saßen wir also erschöpft und froh beisammen, ein Becherchen Met zur Stärkung einnehmend, als plötzlich eine Maid auftauchte und um unsere Hilfe beim Zeltaufbau bat. Ob es die Götter so gefügt haben, wer weiß, jedenfalls konnten Lambert, Andi und Christian beweisen, dass auch die "heidnischen Barbaren" durchaus ein Herz haben. Die Tat unserer wackeren Recken sollte uns schon in der nächsten Nacht gelohnt werden; Daniela und Philip dankten uns auf eine Weise, die uns die liebste ist: mit dem Trunk der Götter.
Der erste Lagermorgen nahte, geweckt durch das aufdringliche Krähen des Hahnes, schlüpften schon bald die Ersten aus ihren warmen Betten. Andi, immer darauf bedacht, Ordnung zu halten, machte schon da die ersten Handgriffe, ehe er mit Claudio und Lambert Richtung Innenhof pilgerte, um wieder einmal diesem teuflischen Getränk zu frönen. Derweil die einzige "Dame" zuerst ihrer Eitelkeit Zeit widmen musste. (Doch die einzige Dame sollte sie nicht bleiben, denn am Samstag würden Jasmine und Martin nacheilen, die wegen ihren Jobs nicht eher freibekommen hatten.) Der Tag wurde damit verbracht, dass wir uns nach dem Frühstück erst einmal den Markt anschauten. Leider war er eher klein, da viele Händler es vorgezogen hatten, an anderen Märkten teilzunehmen. Wohl hatten sie schon gewusst, dass das mäßige Wetter nicht viele Besucher anziehen würde. Der Spaßfaktor jedoch,
ging uns dadurch nicht verloren, denn was wären wir für Helden,
wenn wir uns vor derartigem niedermachen lassen würden? Da das Feuer allein nicht ausreichend zu wärmen vermochte, beschlossen Verena und Claudio schon bald, dass Fäustlinge eine durchaus nützliche Anschaffung seien. So machten wir uns nach dem ersten Rundgang, der eher dazu gedient hatte, einen Überblick zu bekommen, auf die Suche. Eine Suche, die nicht ganz den erwünschten Erfolg hatte: Mit unseren heidnischen Zungen machten wir aus den Fäustlingen sogleich: "Fäuschtlinge", und natürlich verstand uns niemand. Ein Händler, bei dem wir fragten, hatte kurzerhand Fischlinge verstanden, was uns gleich am ersten Tag diesen neuen, ganz und gar nicht erwünschten Beinamen einbrachte. Fortan hörten wir bei jedem Zusammentreffen: "Die Fischlis!" Es nützten keine Drohgebärde, keine Erklärungen, nein, erst der nächtliche gemeinsame Trunk vermochte unseren Ruf wieder herzustellen. Dabei hatte unser Claudio seine eigene Methode: Er liebäugelte einfach mit der Herrin, denn der Adel bestimmt immer, wo es lang geht.
Die nächsten Tage verliefen wettermäßig ziemlich günstig. In den Nächten regnete es und am Tag blieb es mehr oder weniger trocken. Dennoch, was hätten wir ohne unsere Holzhacker gemacht? Wir lernten viele nette Menschen kennen, oder trafen sie erneut zum gemeinsamen Trunk. Spiele wurden gespielt, Lieder gesungen, die Bogen erprobt, Tätigkeiten, Helden würdig! Es waren wunderschöne vier Tage, in denen jegliches Zeitgefühl abhanden gekommen war. Wie groß der Verlust dieser Zeitreise war, das konnte jeder für sich am Montagmorgen feststellen.